Der Zehn-Millionen-Mark-Mann und der Held von Mogadischu
Der Held von Mogadischu und der Zehn-Millionen Mann
Die zwei Männer auf dem Foto wird ein Ereignis am 18. Oktober 1977 für immer verbinden. Gemeinsam befinden sie sich auf dem über 6000 Kilometer entfernten Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Allerdings an unterschiedlichen Plätzen - der eine im Cockpit eines entführten Flugzeuges, der andere im Tower, wo er einen Geldkoffer mit zehn Millionen Mark hütet.
Bonn, im Juli 2026. Zwei Zeitzeugen der „Landshut“-Entführung im Deutschen Herbst 1977 treffen sich zum ersten Mal: Peter Kiewitt (86, links im Bild), damals Persönlicher Referent des Staatsministers im Bundeskanzleramt Hans-Jürgen Wischnewski. Seit dem „Landshut“-Zwischenstopp in Dubai (Arabische Emirate) flog die Maschine mit Wischnewski und Kiewitt der gekaperten Maschine hinterher.
Am frühen Morgen des 18. Oktober 1977 landet Jürgen Vietor (84, im Bild links) die kleine, nach einer früheren Bruchlandung kaputte Boeing auf dem „Mogadiscio Airport“. Ohne Ankündigung. Ohne Funkfrequenz für eine Verbindung mit dem Tower. Die somalischen Behörden sollen nicht das Flugfeld mit schwerem Gerät blockieren wie beim vorherigen Stopp in Aden.
Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski („Ben Wisch“) und seine Leute, darunter Peter Kiewitt, setzen ein paar Stunden später auf dem Flugfeld am Horn von Afrika auf. Die Somalis sind hochgradig misstrauisch. Alle in der Maschine müssen ihre Pässe abgeben, ein Polizist verwahrt sie an der Rezeption eines somalischen Hotels. Zunächst darf nur Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski die Maschine verlassen.
Den Tag über verhandeln der somalische Präsident Siad Barre, Hans-Jürgen Wischnewski und der ebenfalls gelandete Kommandeur der Spezialeinheit „Grenzschutztruppe 9“, Ullrich Wegener, über eine „Landshut“-Stürmung. Peter Kiewitt bleibt stets in Rufnähe seines Chefs. Den Koffer mit den zehn Millionen Mark, auf den er ein genaues Auge hat, wird vielleicht noch gebraucht.
Im Lauf des Nachmittags lässt sich der somalische Präsident auf eine Art Arbeitsteilung zur Stürmung der entführten „Landshut“ ein. Die Somalis entzünden ein Feuer, um die Geiselnehmer abzulenken, und übernehmen nach der Aktion „Feuerzauber“ der GSG9 die Kontrolle über das Flugzeug. Hans-Peter Wischnewski soll im Tower bleiben und Peter Kiewitt die aus der Maschine befreiten Menschen beruhigen.
Kurz nach Mitternacht deutscher Ortszeit hält sich der ursprüngliche Copilot Jürgen Vietor, der durch die Ermordung von Lufthansa-Kapitän Jürgen Schumann Pilot wurde, im Cockpit der Maschine auf. Erst als er nach hinten geht, um auf einem der Passagiersitze ein Nickerchen zu machen, kann Ulrich Wegener den Sturm befehlen.
Wegeners Leute sprengen die Flugzeugtüren auf, stürmen in die Maschine und töten drei der vier Mitglieder des Terrorkommandos. Eine Frau überlebt schwerverletzt. Hinterher, vor dem Abflug, suchen Wischnewski und Kiewitt noch einmal den somalischen Präsidenten Siad Barre auf, um ihm zu danken. „Der war völlig besoffen“, erinnert sich Peter Kiewitt im Gespräch mit Jürgen Vietor.
Auch die GSG9-Leute becherten nach der erfolgreichen Aktion kräftig. Als Hans-Jürgen Wischnewski auf dem gemeinsamen Rückflug einen Whiskey bestellte, geht er leer aus. Die Vorräte sind bereits aufgebraucht.
Sechs Jahre arbeitete Peter Kiewitt Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski unmittelbar zu. Eine lange Zeit für einen Persönlichen Referenten. Kein Zweifel, Wischnewski schätzte Kiewitts Arbeit. Jürgen Vietor kehrte nach dem „Landshut“-Drama im Dezember 1977 in den Flugbetrieb zurück. Für seinen ersten Flug wurde ihm - ohne Ankündigung seiner Chefs - die reparierte „Landshut“ zugewiesen.