Bundespräsidentin Ilse Aigner – die Ahoj-Brause nach Frank-Walter Steinmeier
Bild: Christian Brecheis/Bayerischer Landtag
Im Jahr 2027 hört die „Effizienz“ – ein Wort des Politikwissenschaftlers Franz Walter - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) - nach zwei Amtsperioden auf. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland soll eine Frau in das höchste Staatsamt folgen.
Seit dem Frühjahr 2026 spekulieren Journalistinnen und Journalisten über drei vermeintliche Kandidatinnen: Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, die frühere Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, und die aktuelle Ministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Karin Prien.
Alle drei Frauen kommen aus der alten Bundesrepublik. Alle drei sind West-Boomer, sprich Angehörige der geburtenstärksten Jahrgänge – geboren zwischen Mitte der 50-er und Mitte der 60-er Jahre. Im Jahr 1964 wird der Peak erreicht mit 1.065.347 Neugeborenen. Darunter eine gewisse Ilse Aigner aus Feldkirchen-Westerham (Oberbayern).
Ilse Aigner, Monika Grütters und Karin Prien stehen für die übermächtige politische Bedeutung der West-Bommer in der Gegenwart und nahen Zukunft. Diese Generation stellt etwa ein Viertel der Bevölkerung. Beruflich sind die West-Boomer mit Anfang, Mitte 60 auf dem Absprung in den Ruhestand bzw. führen bereits das „dritte“ Leben. Politisch entscheiden sie noch eine Weile alle politischen Wahlen in Deutschland vom Ortschaftsrat in einem Stadtteil bis hoch zur Bundesregierung.
In der ehemaligen DDR verlief die Geburtenrate ungefähr gleich, 1964 ist auch dort der stärkste Jahrgang. Doch ihre absolute Zahl fällt statistisch wenig ins Gewicht. Von den gesamtdeutschen Babyboomer wachsen vier Fünftel in der Bundesrepublik auf. Auch auf diesem Feld sind die Kräfteverhältnisse zwischen Ost und West eindeutig.
Die West-Boomer haben keine charismatische Politikerpersönlichkeit hervorgebracht wie die „Kriegsgeneration“ einen Helmut Schmidt oder die 68-er einen Gerhard Schröder (der selbst keiner war, aber Joschka Fischer in sein Kabinett holte). Die beiden West-Boomer-Kanzler Olaf Scholz und Friedrich Merz kommen ziemlich spät und im fortgeschrittenen Alter an die Macht. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge nannte Merz kürzlich „Windows 95“.
Ilse Aigner könnte in das höchste Amt gelangen, nachdem Männer wie Horst Seehofer und Markus Söder sie als bayerische Ministerpräsidentin verhinderten. Ich würde – weil selbst Jahrgang 1964 - ihr Reden und Handeln mutmaßlich gut nachvollziehen. Die sogenannten Jungen, die überdurchschnittlich die Linke und die AfD wählen, fangen mit einer Ilse Aigner mutmaßlich nichts an.
Gleichwohl bedeutet Ilse Aigner eine Art Ahoj-Brause im Vergleich zu Frank-Walter Steinmeier, der dröge Reden hält und Schloss Bellevue für ungefähr eine Milliarde Euro umbauen lässt. Ich glaube fest daran, dass Ilse Aigner die Ahoi-Brause in ihrer Kindheit und Jugend so geliebt hat wie ich. Ich würde sie das gern fragen, falls sie Bundespräsidentin wird.