Bloß nicht Monika Grütters
Bild: Markus Wächter Quelle: Website BKM 2014
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) favorisiert mutmaßlich die frühere Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), als Nachfolgerin für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD). Sie hat ein vergleichbares Profil mit Julia Klöckner, die Friedrich Merz zur Bundestagspräsidentin machte: Bekennende Christin, tendenziell konservativ, in der alten Bundesrepublik geboren.
Monika Grütters ist Jahrgang 1962, sprich gehört den Boomer-Jahrgängen im damaligen Westdeutschland an wie Friedrich Merz selbst. Sie kommt wie Merz aus Nordrhein-Westfalen. Von Monika Grütters geht null Charisma aus. Sie würde die nächste „Effizienz“ im Bundespräsidialamt. So hat der Politikwissenschaftler Klaus Walter den bisherigen Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier treffend genannt.
Schade nur, dass Monika Grütters als Kulturstaatsministerin ein bisschen abhob. Bei vielen Gelegenheiten - darunter in einem Jubiläumsbuch ihres Ministeriums – tat sie kund, in ihrem Büro den schöneren Ausblick zu haben als Angela Merkel. Grütters saß im Bundeskanzleramt ein Stockwerk über der Kanzlerin. Was die Machtfülle der beiden Frauen angeht, verhielt es sich umgekehrt.
Mutmaßlich wegen ihrer Überheblichkeit vergab Monika Grütters eine historische Chance. Oder wurde – wie damals einer ihrer wichtigster Mitarbeiter – vom Minderwertigkeitskomplex infiziert, der bis heute im Staatsministerium für Kultur und Medien gegenüber dem viel größeren Auswärtigen Amt grassiert. In der Politik menschelt es nicht weniger als anderswo.
Es war zuständigkeitshalber nicht Kultur-Staatsministerin Monika Grütters (CDU), sondern Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), der auf meine Initiative hin das „Landshut“-Wrack nach Deutschland zurückholte. Im Herbst 1977 wurde die Lufthansa-Maschine von einem palästinensischen Terrorkommando entführt Passagiere und Crew erlebten über 100 Studen Todesangst.
Der Anführer des Kommandos tötete Flugkapitän Jürgen Schumann am Zwischenstopp Aden, der Hauptstadt des Süd-Jemen. In Mogadischu drohten die Terroristen die Maschinen in die Luft zu sprengen, wenn ihre Forderung – die Freilassung inhaftierter Angehöriger der deutschen „Roten Armee Fraktion“ - nicht erfüllt würde.
Am 18. Oktober 1977 kurz nach Mitternacht deutscher Zeit stürmten Angehörige der Anti-Terror-Einheit Grenzschutztruppe 9 die „Landshut“, erschossen drei der vier Terroristen und befreiten alle Geiseln. Sigmar Gabriel wollte in Deutschland einen Gedenkort schaffen für die Wehrhaftigkeit des Staates gegenüber seinen Feinden. Mit Eintreffen des Wracks in Deutschland war Monika Grütters zuständig.
Es erwies sich, dass das Projekt ohne ein Engagement des Grütters-Ministeriums auf Dauer nicht zu finanzieren war. Die Chefin stellte sich stur. Der „Landshut“-Erinnerungsort war ja nicht ihre Idee. Sie boykottierte das fertig vorliegende Konzept, bis das Wrack Jahre später in die Hände der Bundeszentrale für politische Bildung fiel. Dort verantwortete es der damalige Präsident Thomas Krüger (SPD) zu Tode.
Journalisten-Kolleginnen und -Kollegen schildern mir Monika Grütters in ihren frühen Politik-Jahren als eine nahbare, sympathische Persönlichkeit. David Dornier, der für die „Landshut“ eine Halle neben dem Luft- und Raumfahrtmuseum in Friedrichshafen bauen wollte, erlebte sie anders. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster, der sie unter anderem im Bundestags-Plenum auf das Thema ansprach.
Mit Monika Grütters bekämen wir mutmaßlich eine vergleichbar selbstherrliche Politikerin im höchsten Staatsamt wie Frank-Walter Steinmeier. Sie würde vergleichbar dröge Reden halten. Und junge Menschen so wenig erreichen wie der sich für unersetzlich haltende Steinmeier, der unbedingt zwei Amtszeiten vollmachen wollte.