2017 kam das "Landshut"-Wrack aus Brasilien zurück nach Deutschland. 2027 wird es nur für sechs Monate zu sehen sein.
Journalist & Autor
2017 kam das "Landshut"-Wrack aus Brasilien zurück nach Deutschland. 2027 wird es nur für sechs Monate zu sehen sein.
Die Bundeszentrale für politische Bildung wollte die „Landshut" fünfzehn Jahre lang in Friedrichshafen zeigen – nach der Etatkürzung durch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bleiben sechs Monate. Mein Beitrag im The European über einen erinnerungspolitischen Kurswechsel, der ohne Beteiligung der Öffentlichkeit stattgefunden hat.
Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), Sönke Rix, hat nach nur fünf Monaten im Amt seinen Rücktritt erklärt. Offiziell aus persönlichen Gründen – tatsächlich steht dahinter auch der Richtungsstreit, den die Behörde derzeit erlebt. Erstmals seit Jahren kürzt das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt den Etat der BpB massiv.
Prominentestes Opfer dieser Kürzung ist die geplante Ausstellung zur „Landshut". Die Schau in einer Flughafenhalle in Friedrichshafen sollte fünfzehn Jahre laufen. Nun wird sie sechs Monate geöffnet sein: vom 18. Oktober 2027, dem 50. Jahrestag der Befreiung der Geiseln in Mogadischu, bis in den April 2028. Millionen Euro sind zu diesem Zeitpunkt bereits in das Projekt geflossen.
Schwerer als das Geld wiegt der erinnerungspolitische Kurswechsel, der diesem Beschluss vorausging – vollzogen ohne Beteiligung von Politik und Öffentlichkeit. Das ursprüngliche Konzept wollte die Enge der Maschine erfahrbar machen und ehemalige Geiseln wie ihre Befreier zu Wort kommen lassen: ein Erinnerungsort am originalen Schauplatz. An seine Stelle ist ein Ausstellungsentwurf getreten, der die „Bedeutung des Wracks partizipativ aushandeln" will. Nicht mehr das Flugzeug und seine Geschichte stehen im Mittelpunkt, sondern die Geschichte dieser Geschichte.
Sieben Jahre lang habe ich mich um die Rückholung des „Landshut"-Wracks aus Fortaleza in Brasilien bemüht; 2017, zum 40. Jahrestag, hat es geklappt. Zehn Jahre später droht dem Erinnerungsort, für den das Wrack zurückgeholt wurde, die stille Beerdigung. BpB-Vizepräsident Volker Ullrich, der die Behörde kommissarisch führt, versucht das Projekt zu retten und benennt Mogadischu wieder als das, was es war: ein Krisenfall der inneren Sicherheit – und den Scheitelpunkt der RAF-Geschichte.
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