Offener Brief zur „Landshut“-Ausstellung an den Bundesminister des Inneren Alexander Dobrindt
Offener Brief an den Bundesminister des Inneren, Alexander Dobrindt, zur Präsentation der 1977 bis nach Mogadischu (Somalia) entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“
Statt eine zeithistorische Gedenkstätte plant die Bundeszentrale für politische Bildung, die zum BMI gehört, eine Lehrstunde in Diversität.

Offener Brief an den Bundesminister des Inneren, Alexander Dobrindt, zur Präsentation der 1977 bis nach Mogadischu (Somalia) entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ Statt eine zeithistorische Gedenkstätte plant die Bundeszentrale für politische Bildung, die zum BMI gehört, eine Lehrstunde in Diversität.
Die Ausstellung der 1977 entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Friedrichshafen droht zu scheitern. Die mit dem Museumsprojekt betraute Bundeszentrale für politische Bildung beabsichtigt, das Wrack im Zustand von 2017 – dem Jahr, als das Flugzeug nach Friedrichshafen gebracht wurde – zu konservieren, anstatt die "Landshut" zu restaurieren, so wie sie Teil des kollektiven Gedächtnisses wurde und noch immer ist. Bilder der Boeing 737 in Blau, Gelb und Silber auf Wüstenflughäfen wie Dubai und Mogadischu gingen zwischen dem 13. und 18. Oktober 1977 um die Welt.
Die Bundeszentrale kündigt stattdessen eine museumspädagogisch ausgerichtete Präsentation an, die sie "multiperspektivisch, partizipativ, inklusiv und barrierearm“ nennt. "Den Umgang mit der Maschine, die Vergessenheit über die Bedeutung des Objekts und den langen Weg bis hinzu eine Wahrnehmung der Relevanz des Flugzeugwracks im politischen Raum, gilt es darzustellen und dessen Bedeutung partizipativ auszuhandeln." Das klingt eher nach einer Lehrstunde in Diversität als nach einer zeithistorischen Gedenkstätte. Eine Art Frontalunterricht rund umeinen Haufen Wrackteile zu organisieren, verfehlt jedoch den eigentlichen Zweck des erinnerungspolitischen Vorhabens.
Die Bezeichnung "Demokratieraum" für die Ausstellung führt zudem in die Irre. Im Deutschen Herbst 1977 mit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und der Entführung der "Landshut"-Passagiere waren wesentliche Freiheitsrechte, wie sie das Grundgesetz vorsieht, de facto ausgesetzt. Bundeskanzler Helmut Schmidt regierte mit Hilfe in der Verfassung nicht vorgesehener Krisenstäbe. Presse und Rundfunk wurde ein "Maulkorb" verpasst. Die Bundesregierung übte vor einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts massiven Druck aus.
Die „Landshut“ muss unbedingt als jene Boeing 737 wiedererkennbar werden, in der sich das in den Kontext der Schleyer-Entführung eingebettete Drama abgespielt hat. Nur mit ihrem Lufthansa-Designausgestattet kann sie zum Ankerplatz des gesamten Unternehmens werden. Auch das Leitwerk, beide Flügel ebenso wie die Sitzreihen, ohne die das Gefühl einer furchtbaren Enge im Inneren nicht hinreichend nachvollzogen werden kann, sollten wieder angebracht werden. An einer entsprechenden Unterstützung durch die Lufthansa mangelt es nicht.
Die Opfer der Entführung – der vor aller Augen ermordete Lufthansa-Kapitän Jürgen Schumann
und die glücklich befreiten, vielfach lebenslang traumatisierten Geiseln –müssen ein Gesicht
und eine Biographie bekommen. Zusammen mit ihren Befreiern, den tapferen Männer der
Grenzschutztruppe 9. Vorbild ist das Museum für die Befreiung eines israelischen
Passagierflugzeugs in Entebbe (Uganda) 1976. Es befindet sich in Tel Aviv.
Für die informationelle Ausgestaltung der Halle soll eine Gruppe von
Historikern zusammengestellt werden, die sich eingehend genug mit den Details beschäftigt
haben.
Die "Landshut" gehört zu den bedeutendsten zeithistorischen Objekten der alten
Bundesrepublik. Noch ist bis Ende 2026, zur 50. Wiederkehr des Terror-Jahres 1977, genügend
Zeit für eine adäquate Präsentation.
Deutschland, im Juli 2025
Eva Filius-Joepgen (Eltern waren Passagiere auf dem Entführungsflug)
Dieter Fox (1977 (Spezialeinsatztruppführer GSG9 und Befreier der Geiseln)
Manfred Körner (1982/83 mehrfach Passagier in der „Landshut“)
Gabriele von Lutzau (Stewardess auf dem Entführungsflug)
Diana Müll (Passagierin auf dem Entführungsflug)
Astrid Passin (Erste Vorsitzende von VoT Germany e.V. – Organisation für Opfer von Terrorismus)
Birgitt Röhll (Passagierin auf dem Entführungsflug)
Stephan Röhll (Passagier auf dem Entführungsflug)
Kirsten Roggenkamp (Passagierin auf dem Entführungsflug)
Hanns-Eberhard Schleyer (Sohn des 1977 von RAF-Terroristen ermordeten
Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer)
Helmut Stubbe da Luz (Historiker und Publizist)
Jürgen Vietor (Co-Pilot auf dem Entführungsflug)
ViSdP: Dr. Martin Rupps, martin.rupps@t-online.de